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Auch im Winter blüht uns was

Auch Im Winter Blüht Uns Was

Eine Ode an die winterlichen Farbtupfer im Garten von Gärtnermeister Ulrich Herzog

Ja, auch im Winter gibt es sie, die widerstandsfähigen und der Kälte sowie dem Frost trotzenden Pflanzen, die uns mit ihren farbigen Blüten erfreuen. Die bekanntesten Winterblüher sind Zaubernuss (Hamamelis), Erika (Erica carnea) in verschiedenen Sorten und der Winterjasmin (Jasminum nudiflorum). Aber es gibt noch einige mehr, die in der kalten Jahreszeit für etwas Farbe und Duft sorgen.

Bei den Schneebällen finden sich ebenfalls winterblühende Arten, so z.B. der Duftschneeball (Viburnum farreri ) und eine im Jahre 1935 in Bodnant, Wales, gezüchtete Hybride dieser Art (Viburnum x bodnantense ‘Dawn’). Der Duftschneeball stammt aus Nordchina und wurde 1910 von William Purdon nach England eingeführt, später dann noch einmal durch Reginald Farrer. Der Strauch wächst straff aufrecht und kann bis zu 3 m hoch werden. V.farreri’Candidissimum’ blüht mit schneeweißen Blüten etwas früher als die V.x bodnantense Sorten. Er wächst aufrecht und ist eher ein anspruchsloser Strauch.

Sehr lange blühen auch die winterblühenden Heckenkirschen (Lonicera x purpusii). Hierbei handelt es sich um gut wüchsige, relativ anspruchslose Sträucher, die schon eine Höhe und Breite von 3 bis 4 Meter erreichen können. Ab Dezember erscheinen die weißen, angenehm duftenden Blüten am fast kahlen Holz in den ehemaligen Blattachseln als Büschel mit 2 bis 4 Blüten. Das Laub treibt dann nach der Blüte aus. Die winterblühenden Lonicera sind wahre Insektenmagnete. Wenn es im Winter ausreichend warm ist, werden sie von allen möglichen Insekten bevölkert. Oft werden die Blüten bestäubt; und so erscheinen dann auch ab und zu noch die roten Beeren, die leicht giftig sind und Übelkeit hervorrufen können. Interessant ist, dass die Kreuzung vor 1920 im Botanischen Garten Darmstadt entstanden ist (L.fragrantissima x L.fragrant.ssp. standishii) und dass die Sorte ‘Winter Beauty‘ eine Rückkreuzung mit L.fragrantissima ist. Sie bevorzugen einen sonnigen bis halbschattigen Standort mit nicht zu trockenen Böden.

Bei den Zwiebelpflanzen ist das Schneeglöckchen am bekanntesten. Dabei wird vergessen, dass es auch Winterlinge (Eranthis hyemalis) gibt, die mit ihren leuchtend gelben, duftenden Blüten wunderschöne Akzente im winterlichen Garten setzen. Die Blüten können einen Durchmesser von bis zu 3cm erreichen. Der Winterling ist ein Neophyt, der eigentlich aus Südosteuropa und der Türkei stammt, bei uns aber schon lange kultiviert wird und dann ausgewildert ist. Er ist für die Bienen die wohl erste Nahrungsquelle, da er sich meist schon vor den Schneeglöckchen öffnet. Er wird meist nur etwa 10cm hoch und sein Laub ist spätestens im Juni verschwunden. Er eignet sich bestens zum Auswildern an halbschattigen Plätzen und Gehölzrändern.

Unter den Zwiebel-Iris gibt es auch sehr früh blühende Arten und Sorten. Am bekanntesten sind I.danfordiae mit ihren leuchtend gelben Blüten und I.reticulata, die mit ihren meist leuchtend blauen Blüten ein echter Hingucker sind. Eine weitere, sehr interessante Iris ist die Hybride ’Katharine Hodgkin’, die durch ihre ungewöhnliche Blütenfarbe und ihren Blütenreichtum auffällt. Sie blüht etwa zur gleichen Zeit wie I.danfordiae, hat aber größere Blüten.

Also auch bei Winterspaziergängen in Gärten, Parks und Grünanlagen die Augen offen halten und sich an den kleinen versteckten Farbtupfern hier und da erfreuen.

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